Erfahrungen aus dem Nachfolgemanagement

Erfahrungen aus dem Nachfolgemanagement… die nachdenklich machen!

Sind Sie 65 oder älter und wollen seit Jahren ihr Unternehmen übergeben oder verkaufen?

Einige Zitate von Betroffenen Unternehmern:

„Mein Nachfolger packt nicht an…“

„Ich habe keinen Nachfolger gefunden, der das noch machen will…“

„Wer will denn so ein Geschäft heute noch kaufen…“

„Wenn ich niemanden finde, dann schließe ich eben zu…“

„Ich habe schon Berater von Kammern da gehabt, aber das hat auch nicht geholfen…“

„Berater sind doch nur teuer und bringen nichts…“

Diese Zeilen zeugen von Ratlosigkeit und reflektieren die Probleme, die bei einer Übergabe notgedrungen entstehen.

Trotz Angeboten von Kammern und freien Beratern gelingt es vielen Firmen nicht, die Übergabe geordnet in den Griff zu bekommen. Aber wie können sich Unternehmer dann geordnet zurückziehen, ihre Altersversorgung sichern und die Firma mit dem guten Namen erhalten?

Diese und ähnliche Fragen stellen sich in Deutschland täglich sehr viele Unternehmer!

Wie in diversen Vorträgen und auch aus dem Bayerischen Staatsministerium zu hören, stehen allein in Bayern jährlich 12.000 Unternehmen mit rund 100.000 Arbeitsplätzen zur Nachfolge an. Leider werden immer mehr Unternehmen letztlich liquidiert, anstatt an einen Nachfolger übergeben zu werden. Dies ist fatal für Deutschland als Wirtschaftsstandort und auch bezüglich des Verlustes an Arbeitsplätzen.

Leider beginnen die Unternehmer viel zu spät mit der Übergabe und verweigern oft eine professionelle Hilfe beim Übergabeprozess. Obwohl selbst die Staatsregierung empfiehlt: „…Für beide Akteure, den Alteigentümer wie den Nachfolger, ist eine kompetente Beratung vor und während des Übergabeprozesses ein wichtiger Erfolgsbaustein…“ und „…einen Zeitrahmen von bis zu 5 Jahren für den Prozess der Unternehmensübergabe… einkalkulieren sollte…“.

Wie eine Studie der Universität Bayreuth zeigt, sind folgende Themen maßgeblich für Probleme im Nachfolgeprozess:

17 % zu späte Planung der Nachfolge

13 % Schlechte Auswahl und Vorbereitung des Nachfolgers

12 % Falsche Einschätzung des Unternehmenswertes

12 % Gescheiterte Finanzierung der Übernahme

8 %   Fehlende Motivation und Qualifikation des potentiellen Nachfolgers

7 %   Nicht-Loslassen-Können des Unternehmers

Ein Großteil der Unternehmer nimmt noch den eigenen Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer mit ins Boot, doch keinen professionellen Berater, der sich um das Tagesgeschäft und die Einhaltung eines Übergabeplanes kümmert. Sofern überhaupt einer existiert. Da stellt sich die Frage, ob sich der Unternehmer auch selbst den Zahn plombiert oder an sich die nötige Herz-OP durchführt? Meist steht das Lebenswerk eines erfolgreichen Gründers auf dem Spiel. Ein seriöser Berater ist für eine geordnete Übergabe – je nach Komplexität der Situation – zwischen 5 und 25 TEUR für den gesamten Übergabeprozess bei kleinen und mittleren Unternehmen zu haben. Das scheint das Lebenswerk aber manches Mal nicht Wert zu sein. Lieber wird ein neues Auto für 50 TEUR erworben, das man dann gerne mit in den Ruhestand nehmen möchte. Doch dies wird dann meist auch Opfer der Liquidation.

Das klingt nicht realistisch? Sehr wohl, wie Hr. Wanner aus eigener täglicher Beratertätigkeit zu berichten weiß. Leider wird er meistens nur zu den „schweren“ Fällen gerufen, an denen sich schon einige „kostenlose“ Berater versucht haben oder Menschen mit ungeeignetem Hintergrund. Oder die eigenen Bestrebungen sind total fehlgeschlagen. „… dann das Kind wieder aus dem Brunnen zu holen ist ein Mix aus Diplomatie und Fachwissen…“, so Wanner.

Wenn Diskretion nicht das wichtigste Gut im Beratungsgeschäft wäre, dann hätte Wanner wohl bereits ein Buch über das Thema Nachfolge geschrieben und die – teilweise kuriosen – Geschichten der Firmen erzählt.

Er berichtet gerne von Unternehmern, die nicht loslassen wollen und den Nachfolgern nichts glauben und zutrauen. Dabei haben auch sie mit Elan und eigenen Ideen irgendwann einmal begonnen. Und das oft mit Kopfschütteln ihrer Vorgänger.

Zudem betrachten manche Unternehmer ihre familieninternen Nachfolger als Kinder, anstatt diese als gleichberechtigte Geschäftspartner wahr zu nehmen. Eines der grundlegenden Probleme der Übergabe.

Die Liste mit Problempunkte wäre sehr lang und individuell, so Wanner. Darum hält er auch kostenlose Vorträge, in denen er sein Wissen weiter gibt. Und er ist stolz auf jede Firma, der er helfen durfte, in die nächste Generation zu wechseln.

Zusammenfassen rät Wanner jedem Unternehmer, seine Nachfolge genauso akribisch zu planen, wie eine Firmengründung.

 

Quellen:

Veröffentlichung des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie: Unternehmensnachfolge in Bayern; Ein Leitfaden für die erfolgreiche Betriebsübergabe; www.stmwi.bayern.de

Kurzstudie des Betriebswirtschaftlichen Forschungszentrums für Fragen der mittelständischen Wirtschaft e.V. an der Universität Bayreuth auf Grundlage einer Expertenbefragung.

 

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